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Ein Bestatter lacht öfter als man denkt... Teil 2

-Wenn der Bestatter mit dem Schlachter 

Während meiner Ausbildung durfte ich ein interessantes Telefonat verfolgen. Ich schrieb gerade eine Grabrede für eine Urnenbeisetzung, während mein damaliger Kollege aktuelle Aufträge bearbeitete. Plötzlich klingelte sehr zaghaft das Telefon. Mein Kollege erkannte die Vorwahl sofort. Ein kleines verschlafenes Nest nahe der Elbe, nicht weit von uns. Er meldete sich und am anderen Ende sprach eine ältere Dame mit verlegener Stimme: "Guten Tag, mein Name ist Müllermeierschulze. Keine Sorge, bei mir ist niemand gestorben! Ich hätte da nur mal ganz ganz vorsichtig eine Frage."

Warum sollte ein Bestatter sich sorgen(!), wenn jemand verstorben ist fragte ich mich, während meinem Kollegen die rechte Augenbraue bis zum Haaransatz hochwanderte aufgrund der Frage.

"Wissen sie, mein Hund Lucky ist vor einigen Wochen verstorben. Ich habe ihn bei mir im Garten vergraben und sogar extra das Ordnungsamt gefragt, ob ich das darf! Er war so ein Lieber und in der Nachbarschaft immer gern gesehen. Wenn er seine Runde in der Stadt drehte, sagten aller immer: Schau mal, da ist wieder Lucky, der Hund von Frau Meiermüllerschulze! Ich habe sogar ein paar Blümchen auf seinem Grab gepflanzt und ein kleines Holzkreuz aufgestellt. Wissen sie, ich habe halt keine Angehörigen, außer meinem süßen Lucky. Und jetzt frage ich mich, auch weil alle Nachbarn ihn so gern hatten, ob es möglich wäre, eine Art Anzeige in der hiesigen Zeitung zu schalten? Oder glauben sie, dass die Zeitung das vielleicht komisch finden würde? Halt, weil, so ein Hund, neben den anderen..."

Die rechte Augenbraue meines Kollegen ging wieder auf normale Höhe und er antwortete:

„Wissen Sie was, Frau Müllermeierschulze? Ich werde mir alles notieren und dies kommentarlos an die Zeitung ihrer Stadt schicken, dann werden wir sehen.“

„Ach du meine Güte, Sie sind ja ein Schatz! Das ist ja toll, das freut mich so sehr! Könnten Sie in der Anzeige schreiben, dass…“

Mein Kollege griff sich Block und Stift, notierte alles und verabschiedete sich von der netten alten Dame. Nach 10 Minuten hatte er die Anzeige entworfen und an die gewünschte Zeitung geschickt. 30 Minuten später begann unser Telefon verdammt aggressiv zu klingeln! Noch bevor mein Kollege seinen vollen Namen durchgeben konnte, tönte es durch den Hörer:

„Sagen se ma, also, ich hab hier ihre Anzeige gesehen, und die isja, also na, fürn Tier!! Dass könnwa nich machen, das issja PI-E-TÄT-LOS! Was denken se sich denn, watt die Leute denken solln? Einfach sonnen Köter oder n Katzenviech neben die Verstorbenen, das geht nich! Machen wir nich!“

Mein Kollege lehnte sich zurück, atmete tief ein und fragte: „Pietätlos schön und gut, aber wie kommt es das jedesmal, wenn ich ihre Zeitung aufschlage, die Werbung des ortsansässigen Schlachters Werner direkt neben den Todesanzeigen prangt?“

Gefühlte 5 Minuten Totenstille am anderen Ende. Plötzlich ertönte wieder diese quakende Stimme: „Die Anzeige ist dann morgen in der Zeitung. Kost dann abba dat selbe wie fürn Menschen!!“

„Unsere Auftraggeberin hat nichts anderes erwartet.“ Kalt wie Eis, der Typ!

 

-Die lustige Welt der Tiere

Wir hatten da diese eine Trauerfeier in einem weit abgelegenen Nest. Die Kapelle wird grundsätzlich sehr gründlich gepflegt, aber manchen Sachen wird man einfach nicht Herr!

Wir wussten dass die Familie äußerst pingelig war, aber auch sehr gönnerhaft, wenn man eine Arbeit ablieferte, die ihren Wünschen entsprach. Also gaben wir unser Bestes. Aber ich kam nicht umhin, dieses merkwürdige Geräusch zu bemerken. Es verfolgte uns während der gesamten Arbeit. „Andy, könntest du bittetschiptschiptschip die Liederzettel holen? Ich stelle die Kerzenständertschiptschiptschip auf und Mike wird tschiptschiptschiptschip…

Es trieb uns fast in den Wahnsinn und wir alle fragten uns, woher das kommt! Aber pünktlich zur Ankunft der Angehörigen hörte es auf. Wir drei seufzten hoffnungsvoll. Die Trauerfeier begann und alles war perfekt. Die Gestecke waren wie mit einem Messschieber ausgerichtet, nach den Blumenkränzen hätte man die Uhr stellen können! Alles lief glatt. Bis zur Minute 15 der Feier. Andy und ich positionierten uns vor der offenen Kapellentür um das Signal des Pastors abzuwarten, das uns sagt: Tragen Sie würdevoll die Gestecke nach draußen und bringen sie die Urne ehrenhaft zum Grab. Kurz bevor das passieren sollte, hörten wir ein neues Geräusch.

Platschplatschplatschplatsch…

Andy’s und meine Augen wanderten langsam zur Decke der Kapelle. Ein gelb-weißer Wasserstrahl kam von der Decke. Und dort sahen wir ihn. Den Grund für die Geräusche. Zwischen den mit jeweils 3 cm Abstand voneinander angebrachten Kieferdielen stand er mit vier Beinen, weißem Bauch, schwarzem Rücken, buschigem Schwanz und kreisrunden Ohren. Und er hielt es für angebracht, direkt auf das Blumengesteck der Witwe zu pieseln.

Seit ich Auto fahre, kann ich Marder nicht leiden! Und zum Glück haben Bestatter immer Latex-Handschuhe bei sich…

 

-Der alte Mann und der Baumarkt

Ich stand ziemlich am Anfang meiner Ausbildung und war gerade mit meinem damaligen Kollegen in der Bestattungslimousine unterwegs, als meine damalige Chefin anrief und uns bat, doch bitte im nächstgelegenen Baumarkt vorbei zu schauen und ein paar Besorgungen zu machen. Gerade von einer großen Trauerfeier gekommen waren wir froh, etwas Abwechslung zu bekommen. Und so standen wir kurz darauf da. Zwei frisch rasierte, gut frisierte Männer, mit gebügelten Anzügen, doppeltem Windsorknoten in der Krawatte und polierten Schuhen im Glühbirnen-Regal. Ein stark gealterter, nichtsdestotrotz stolzer und ebenfalls gut gekleideter Gentleman mit Gehstock ging hinter uns vorbei, hielt inne und ging schließlich zwischen uns um uns anzusprechen.

„Na, meine Herren? Sie sehen so schick aus! Geht es heute noch auf eine Beerdigung?“ Sein Gesicht war erfüllt von der Freude darüber, dass manche jungen Burschen heutzutage noch wissen, wie man sich zu kleiden hat.

Ohne genau über meine Worte nachzudenken sagte ich: „Au ja, schon die dritte heute!“

Als dem älteren Herren vollkommen die Gesichtszüge entglitten sind, bemerkte ich das es nicht immer gut ist, seine berufliche Euphorie voll und ganz nach außen zu tragen.

Zu meinem Glück entschärfte mein Kollege die Situation und fügte hinzu: “Keine Sorge, wir machen das beruflich! Wir zwei sind Bestatter.“

Das Gesicht des Gentleman erlangte wieder Fassung. Er musterte uns genau von unten bis oben. Und mit einer sehr ernsten Miene, geschmückt mit einem hochgezogenem Mundwinkel,  sprach er: „Na, meine Herren. Da brauche ich ihnen ja nicht viel Erfolg zu wünschen, den haben sie ja ohnehin!“

23.5.16 22:09
 
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